Lebst du schon – oder trennst du noch?
Diese Frage ist natürlich etwas provokant formuliert. „Natürlich lebe ich“ wirst du jetzt denken, auch wenn du Beruf und Privat sehr gerne voneinander getrennt hältst. Und vielleicht ist das auch so. Du bist zufrieden. Freudvoll. Glücklich. In den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Du lebst das Leben, das du dir für dich wünschst. Dann hast du vermutlich etwas geschafft, was viele andere Menschen nicht schaffen: Du hast dein „Leben“ genauso konsequent in den Blick genommen, wie deinen „Job“ – und anders herum. Denn genau darum geht es. Genau das passiert häufig nicht.
Das ist auch ganz natürlich. Es gibt immer wieder Lebensphasen, in denen einige Aspekte unseres Lebens in den Vordergrund treten und andere in den Hintergrund. Vielleicht erinnerst du dich noch an einen früheren Artikel von uns über die 5 Säulen der Identität von Hilarion Petzold. Dort haben wir 5 identitätsstiftende Lebensbereiche vorgestellt:
- Arbeit & Leistung
- Materielle Sicherheit
- Gesellschaft & Soziales
- Körper & Gesundheit
- Werte & Sinn
In jeder dieser Säulen steckt zum einen das Potential einer unendlichen Kraft – und zeitgleich schlummert dort auch die Möglichkeit einer Krise. Und jeder Bereich benötigt mal mehr und mal weniger Aufmerksamkeit. Das liegt in ihrer Natur. Mal sind es Beziehungen, Familie, dann vielleicht der Beruf, Erfolg, das Thema Gesundheit. Manche dieser Themen hast du bewusst gewählt, andere haben sich vielleicht einfach ihren Raum genommen, weil es ein Ereignis gab, welches die ganze Aufmerksamkeit benötigte. Das kann etwas Schönes wie eine Geburt oder ein spannender Job gewesen sein oder etwas eher Unwillkommenes wie ein Arbeitsplatzverlust oder eine schwere Krankheit.
Was dann passiert ist ein ganz natürlicher Prozess. Der Bereich, der uns gerade benötigt, saugt uns mit Haut und Haaren auf, er fordert unsere Aufmerksamkeit und dabei gerät manch anderes aus dem Blick. Und das ist für uns der Hauptgrund, warum wir Privat und Beruf nicht trennen. Der Grund, warum wir es gemeinsam betrachten.
Denn …
… Beruf und Privatleben beeinflussen sich gegenseitig. Wenn du bei deiner Arbeit Stress hast, wirst du ihn auch mit nach Hause nehmen – und umgekehrt. Eine nachhaltige Selbstführung braucht daher eine ganzheitliche Perspektive, damit du gesund und widerstandsfähig bleibst oder wirst.
… wir nehmen unsere eingefahrenen Verhaltensmuster überall mit. Wie wir mit Herausforderungen umgehen, zeigt sich in beiden Lebensbereichen. Wer sich im Job ständig überfordert, neigt auch privat dazu, zu viel Verantwortung zu übernehmen. Selbstführung bedeutet, sich dieser Muster bewusst zu werden und aktiv zu entscheiden, wie man handelt.
…wir haben nur eine Gesundheit. Erholsamer Schlaf, Bewegung, gesunde Ernährung und Pausen – all das stärkt uns sowohl im Beruf als auch im Alltag. Wer gut für sich sorgt, hat mehr Energie für alles, was das Leben an Überraschungen bereithält.
… Werte und Sinn ziehen sich durch alle Lebensbereiche. Jeder Mensch wünscht sich ein sinnerfülltes Leben. Wer seine Werte kennt und danach handelt, kann stimmige Entscheidungen treffen – überall.
… nachhaltige Veränderungen benötigen eine ganzheitliche Sicht. Selbstführung ist mehr als eine Technik. Wenn sie unser gesamtes Leben einbezieht, wird sie zu einer Haltung, die uns langfristig stärkt und erfüllt.
Denn wir haben nicht zwei getrennte Leben, sondern eines – und das verdient unsere volle Aufmerksamkeit und Fürsorge. Und Bewusstheit. Denn am Ende meines Lebens möchte ich gerne sagen können: I did it my way. And I am glad.
In diesem Sinne … Hab dich im Blick 😉
PS: Und ich kann dich total verstehen, wenn du deinen privaten und beruflichen Kalender gerne trennst. Denn manche Reflexionen sind ja doch sehr persönlich – und sollen es auch bleiben. Zeitgleich ist unsere Zeit endlich. Die Zeit, die ich in meine Arbeit investiere, steht mir nicht mehr für meine Familie zur Verfügung und anders herum. Ich persönlich habe das gerne im Blick, denn dann fallen mir Entscheidungen leichter, zu welcher Terminanfrage ich JA sage und zu welcher NEIN. Aber auch da lassen sich Wege finden. Wichtig ist nur, dass du dich in deiner Gänze immer im Blick hast. Denn du bist wichtig.
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