Dieser Artikel ist für dich hilfreich, wenn du dich fragst, warum du immer wieder an der selben Stelle landest und was das mit deinen inneren Überzeugungen zu tun hat.

 

Kennst du das?

  • Du möchtest endlich für dich einstehen – und sagst doch wieder Ja, obwohl du Nein meinst?
  • Du strengst dich an, gibst alles – aber fühlst dich trotzdem nicht wirklich gut genug?
  • Du kommst nicht zur Ruhe, weil du das Gefühl hast, ständig etwas Tun zu müssen?
  • Du hast große Sehnsüchte – aber etwas in dir hält dich zurück, wenn es ernst wird?
  • Du wünschst dir Nähe – und gehst doch immer einen Schritt zurück, wenn es zu nah wird?

Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Sätze wiedererkennst, bist du nicht allein. Diese Muster tauchen nicht zufällig auf. Sie wiederholen sich – weil tief in uns etwas wirkt, das oft gar nicht bewusst ist. 

Es ist nicht „einfach so“ – es hat eine „Geschichte“

Hinter solchen Erfahrungen stecken meist alte innere Überzeugungen, die wir früh verinnerlicht haben. Sätze wie:

  • „Ich muss mich anpassen, um dazuzugehören.“
  • „Ich darf keine Fehler machen.“
  •  „Ich darf nicht wütend oder traurig sein.“
  •  „Ich muss alles allein schaffen.“
  •  „Ich bin nicht liebenswert, so wie ich bin.“

Das Fatale: Viele dieser inneren Überzeugungen sind längst überholt. Aber wir glauben ihnen. Wir halten sie für die Wahrheit. Deshalb werden sie auch oft als Glaubenssätze bezeichnet.

Unsere inneren Überzeugungen – unsere Glaubenssätze

Die meisten unserer Inneren Überzeugungen stammen aus der Kindheit. Sie wurden in einer Zeit gebildet, in der wir besonders offen waren und vorbehaltlos alles in uns aufgenommen haben. Du musst dir vorstellen, dass unser Geist hellwach und auf Lernen eingestellt war – wir haben alles um uns herum beobachtet und verinnerlicht. Besonders beeindruckend waren für uns in dieser Zeit unsere nahen Bezugspersonen. Sie haben uns eine Art inneren Kompass vermittelt – nicht nur durch das, was sie gesagt haben und getan haben, sondern auch durch das, was sie nicht gesagt oder getan haben. Durch Wiederholung dieser Erfahrungen wurden aus den Erfahrungen Überzeugungen. D.h. es wurde zu etwas, was wir über uns und die Welt glaubten – unsere Glaubenssätze. 

Im Prinzip ist das auch sehr hilfreich. Denn unsere inneren Überzeugungen wirken wie eine Art Navigationssystem. Sie beeinflussen unser Fühlen, Denken und Handeln. Wir sind damit also sehr viel handlungsfähiger. Ohne inneren Kompass müssten wir ständig jede Situation neu untersuchen, hinsichtlich ihres Gefährungspotential beurteilen und dann entscheiden, was wohl die beste Art und Weise wäre sich zu verhalten. Ziemlich aufwendig. Und stressig. So ein Navigationssystem hat also durchaus Vorteile. Es führt uns durch unser Leben, sorgt für unsere Sicherheit – und hilft uns, uns in unserer komplexen Welt zurechtzufinden und auszurichten.

Es gibt nur ein kleines Problem: Die Welt ist nicht nur Glitzer 😉

Neben positiven Glaubenssätzen wie z.B. ich bin liebenswert gibt es auch negative Glaubenssätze – wie die oben genannten. Negative  Glaubenssätze schränken uns ein. Sie führen dazu, dass wir immer wieder vor die gleichen Mauern rennen oder uns nach und nach zurückziehen. Sie sind heute einfach nicht mehr dienlich. 

Glaubenssätze sind wie unsichtbare Drehbücher. Sie bestimmen unser Leben, ohne dass wir es merken. Sie prägen, wie wir fühlen, denken, entscheiden, mit anderen in Beziehung treten – und wie wir mit uns selbst umgehen.

“Your beliefs become your thoughts, your thoughts become your words, your words become your actions, your actions become your habits, your habits become your values, your values become your destiny”

                                                                                                                           Mahatma Gandhi.

 

Glaubenssätze beeinflussen …

…unsere Wahrnehmung. Wir sind in der Lage unzählige Reize aus unserer Umwelt wahrzunehmen und zu verarbeiten – und entsprechend zu handeln. Damit das gelingt filtert unser Organismus sehr früh. D.h. wir nehmen gar nicht alle Reize aus unserer Umgebung bewusst wahr – sondern nur einen Teil. Welchen Teil wir wahrnehmen ist abhängig vom Kontext. D.h. von unserem Lebensumfeld, der aktuellen Situationen und unseren gemachten Erfahrungen. Unsere Wahrnehmung ist also selektiv. Wir nehmen Situationen nie in ihrer Gesamtheit wahr – sondern nur einen Teil. Und zwar den Teil nach dem wir unbewusst suchen. Denn – das ist ein weiterer Punkt – unser Gehirn mag Bestätigung. D.h. wir schenken den Aspekten einer Situation besondere Aufmerksamkeit, die unser bisheriges Denken bestätigen. Und wir interpretieren sie in unserem Sinne. D.h. passend zu unserem Glaubenssystem. Eine ganz einfache Darstellung zu diesem Prozess findest du hier mit der Abstraktionsleiter

unsere Gefühle. Je nachdem, was wir über uns und die Welt denken, werden durch unsere unbewussten Bewertungen bestimmte Gefühle wachgerufen. Die sachliche Rückmeldung einer Kollegin kann ganz objektiv gehört werden mit ihren positiven Bestandteilen und möglichen Tipps. Oder sie kann subjektiv verzerrt sein und eher kritisch gehört werden, indem die Tipps als Kritik aufgefasst werden, das Positive gänzlich überhört wird und man sich ungenügend und wertlos fühlt. Egal welcher Art die Gefühle sind – sie prägen die eigenen Erwartungen und das Verhalten.

…unser Verhalten. Glaubenssätze prägen was wir tun – oder eben nicht tun. Bleiben wir mal bei dem Beispiel, dass jemand die Rückmeldung einer Kollegin nicht als eine beliebige Außensicht hören kann, die man als Möglichkeit zum Lernen nutzen könnte, sondern direkt als Kritik versteht, die die eigene Person in Frage stellt. Wenn das zweite der Fall ist kann es zum einen zum sogenannten kompensatorischen Verhalten führen. Die nächste Situation wird dann akribisch vorbereitet. Es wird übertriebener Perfektionismus an den Tag gelegt. Vielleicht sucht man sich auch eine weitere Person, damit man nicht alleine durch die Situation muss. Oder man macht erst einmal nichts. Tag für Tag steht die Vorbereitung der bestimmten Situation auf der To Do Liste und es gibt immer Wichtigeres zu tun. So langsam wird die Zeit eng – Panik steigt auf – man verschiebt die Situation. Aufschieben kann also durchaus ein Hinweis darauf sein, dass „etwas“ in mir unbewusst versucht eine Situation zu vermeiden. (Kleine Bemerkung am Rande: Du weißt vielleicht, dass wir Meisterinnen des „sich liebevoll austricksen“ sind, bei Dingen die getan werden müssen. Aber wenn alle Tricks nicht fruchten hilft nur noch eine liebevolle Selbsterkundung der inneren Blockaden!). 

 

Glaubenssätze haben also einen weitreichenden Einfluss auf unser Leben – positiv wie negativ. Sie bestimmen, wie wir uns sehen, wie wir durch das Leben gehen und es erleben, wie wir unsere Beziehungen gestalten….  

 

Warum es nicht reicht nur „anders zu denken“

Vielleicht hast du versucht, solche Gedanken bewusst zu verändern. Affirmationen, neue Überzeugungen, positives Denken. Und vielleicht hast du gemerkt: Das hilft manchmal – aber nicht immer.

Das liegt daran, dass Glaubenssätze nicht nur im Kopf sitzen. Sie leben auch im Körper, im Gefühl, in der Erinnerung. Sie zeigen sich in Anspannung, Rückzug, innerem Druck oder Überanpassung. Sie lassen sich nicht „wegdenken“ – aber sie lassen sich fühlen. Und genau dort beginnt Veränderung.

Was also tun?

Der erste Schritt: Hinspüren.

Nicht mit dem Anspruch, sofort alles zu verändern – sondern mit einer offenen, freundlichen Neugier für das, was in dir wirkt. Solange wir glauben, „so bin ich eben“, bleibt wenig Spielraum. Aber wenn du erkennst: „Da ist ein alter innerer Satz, der gerade mitredet“, dann entsteht Raum. Ein kleiner Abstand. Ein Moment der Wahl.

Das kann mit ganz einfachen Fragen im Alltag beginnen:

  • Was passiert gerade in mir? Nicht: Was denke ich – sondern: Was spüre ich?
  • Was will ich wirklich in dieser Situation – und wie verhindere ich das?
  • Wo in meinem Körper spüre ich Enge, Druck, Unruhe – oder auch Weite, Erleichterung? 

Diese Fragen brauchen keine schnellen Antworten. Manchmal zeigen sie nur: Da ist ein Muster. Es hat eine Geschichte. Und allein das ist schon ein Schritt: vom Autopiloten in den Kontakt – von dir mit dir.

Der zweite Schritt: Annehmen, was ist.

Unsere natürliche Reaktion ist häufig: Ich will das nicht mehr. Mach das weg. Leider funktioniert das in der Regel nicht. Was jetzt wichtig ist:  annehmen was ist. Das heißt, Nicht sofort verändern wollen. Nicht dich „besser machen“. Sondern dich sehen. Mit dem, was da ist – auch wenn es unangenehm, widersprüchlich oder schambesetzt scheint.

Das ist nicht immer leicht. Oft haben wir gelernt, Gefühle wegzudrücken, Impulse zu bewerten oder innere Anteile abzulehnen.

Aber Veränderung geschieht dort, wo wir bereit sind, uns selbst in die Augen zu schauen – mit Freundlichkeit statt Urteil, mit Zuwendung statt Kontrolle. Und auch den eigenen Anteil daran zu sehen. Denn du bist hier nicht das Opfer. Du bist hier auch Gestalter.

Es geht nicht um Selbstoptimierung, sondern um Beziehung. Zuerst zu dir selbst. Lass dir Zeit.

Veränderung braucht Zeit

Veränderung ist kein Sprint. Sie beginnt oft leise – und braucht Raum. Es ist ein Prozess.

Deshalb kann es Sinn machen, dir in den kommenden Tagen und Wochen bewusst eine Phase der Erkundung zu erlauben. Nicht gleich etwas „machen“ müssen. Sondern beobachten. Spüren. Zusammenhänge erkennen.

Eine Art Möglichkeitsraum zu erschaffen: Einen inneren Ort, an dem du nicht sofort handeln musst – sondern erst einmal wahrnehmen darfst, was wirklich in dir wirkt.

Welche Stimmen da sind? Welche alten Schutzstrategien noch greifen? Welche Impulse tauchen auf, wenn du innehältst?

Wir sind oft schnell versucht, Lösungen zu finden. Etwas zu „bearbeiten“. Das gibt uns ein Gefühl der Kontrolle. Der „Handlungsmacht“. Aber manchmal ist die echte Bewegung, nicht gleich zu reagieren.

Vielleicht merkst du:

„Mir geht das zu langsam. Ich will mehr Methoden, mehr Werkzeuge, will schneller ins Handeln kommen.“

Auch das ist verständlich – und willkommen. Vielleicht ist das allerdings auch ein altes Muster – was dich eher ablenkt und nicht wirklich den Dingen auf die Spur kommt. Deshalb laden wir dich wirklich ein, dir Zeit zu geben zur Erkundung. 

Es kann hilfreich sein, einen geschützten Raum aufzusuchen. Einen Ort, an dem du dich selbst in Ruhe wahrnehmen kannst – jenseits von Erwartungen, Rollen oder Bewertungen. Denn viele dieser alten Glaubenssätze sind nicht durch Nachdenken entstanden – sondern durch Beziehungserfahrungen.

Deshalb lassen sie sich oft auch am besten in Beziehung verwandeln: Im echten Kontakt, in Resonanz, in einem Raum, in dem du mit deinem inneren Erleben willkommen bist.

Und vielleicht kannst du dann auch einfach mal etwas neues ausprobieren. Eine neue Erfahrung machen. Auf eine Weise, die dich nicht überfordert, sondern wirklich unterstützt.

Du musst nicht gleich dein ganzes Leben umkrempeln und die größte Herausforderung suchen. Aber vielleicht kannst du dir erlauben,

  • ein kleines Nein auszusprechen, wo du sonst geschwiegen hättest,
  • dich nicht sofort zu erklären, wenn du dich zurückziehst,
  • innezuhalten, wenn du dich wieder beweisen willst,
  • eine Hand auf dein Herz zu legen, wenn du dich innerlich hart machst. 

Gib dir Zeit. Fühle was du wirklich brauchst. Und bring es in den Kontakt. Zunächst mit dir. Dann mit anderen. Ganz langsam. Forschend und liebevoll. 

Und wenn weiterhin der Ruf in dir laut ist, etwas zu tun. An deinen Sätzen zu arbeiten, dann warte kurz unsere Sommerpause ab. Denn im nächsten Blogartikel werde ich dir konkrete konkrete Impulse vorstellen.

Jetzt erst einmal viel Spaß bei der liebevollen Erkundung.