Reflexion – ein Grundpfeiler der Selbstführung

Die häufigste Frage, der wir in unserem beruflichen Tun begegnen lautet: Wieviel Zeit nehmt ihr euch für Reflexion? Und dahinter kann man laut die Gedanken hören, die zu dieser Frage führen: Wann soll ich das denn noch machen? Das habe ich doch schon mal in einem Kurs vor einem Jahr gemacht. Kann ich nicht mal mit dem Thema fertig sein? 

Wir sagen: NEIN! Denn Reflexion ist einer der Grundpfeiler der Selbstführung und damit ein immerwährender Prozess. Er läuft in Teilen sogar automatisch ab – nur dann vielleicht nicht immer so zieldienlich. Aber dazu später mehr. 

 Jetzt erst mal ein wenig Begriffsklärung. Was verstehen wir eigentlich unter Selbstführung: 

Selbstführung ist die Fähigkeit, das eigene Denken, Fühlen und Handeln so zu steuern und zu verändern, um sich den eigenen Zielen nicht nur anzunähern, sondern sie auch zu erreichen – und es sich dabei gut gehen zu lassen 😉 

Selbstführung richtet den Blick also auf die eigenen, inneren Prozesse (Denken, Fühlen) und das Handeln – das Was, das Wie und das Warum des Tuns. 

 Und es lohnt sich!!!!! Denn Selbstführung ist die Grundlage, um deine Ziele effektiv zu erreichen. Du lernst, Druck gelassener zu begegnen und schwierige Situationen souverän zu meistern. Selbstführung stärkt deine mentale Widerstandskraft und hilft dir, auch in turbulenten Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Sie macht dich resilienter. Du bist kein Opfer der Umstände, sondern wirst zum Gestalter deines Lebens – in jedem Lebensbereich. Dadurch erhöht sich deine Zufriedenheit und du gewinnst mehr Freude und Sinnhaftigkeit in deinem Leben. 

Und das Beste ist: man kann es lernen. Es ist eine Fähigkeit. Und was glaubst du, was das wichtigste für eine wirksame Selbstführung ist? Die wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Selbstführung ist eine achtsame, objektive Selbstreflexion. 

Aber was heißt das?

Nach dem Erleben einer erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Situation erkundest du systematisch die Ursachen und Zusammenhänge deines Handelns, damit du daraus lernen kannst. Du merkst schon, dass es hier einen Unterschied gibt, zu den reflexhaften Gedanken, die oft ganz automatisch nach einer -missglückten – Handlung folgen. Diese reflexhaften Gedanken sind oft wenig zieldienlich. Denn – ich weiß nicht, wie es dir geht – aber gerade bei den reflexhaften Gedanken sind auch immer wieder „nicht so liebevolle“ Beiträge dabei. Und aus denen lernt man in der Regel nichts. Also STOPP! Hier geht es um eine bewusste, objektive Betrachtung. Von Erfolg und Misserfolg. Denn das ist die zweite Besonderheit, die wir oft im Alltag versäumen. Wir schauen nicht genug auf die Erfolge. Dabei wissen wir doch heute alle, dass man wunderbar aus Erfolgen lernen kann. Dennoch findet das oft wenig Eingang in unser Tun. Aber wer weiß, vielleicht ist bei dir ja anders. 

 

 Im Falle eines Erfolgs kannst du dir die folgenden Fragen stellen: 

  • Wie habe ich die Situation erlebt?
  • Welchen Anteil hatte ich selbst am Erfolg?
  • Wer hat mich dabei unterstützt?
  • Welche meiner Fähigkeiten und Stärken haben zum Erfolg beigetragen?
  • Wie kann ich diese ausweiten oder verbessern?
  • Wo hätte ich noch besser agieren können?
  • Was wäre noch hilfreich gewesen?

Im Falle eines Misserfolgs kannst du dir folgende Fragen stellen:

  • Wie habe ich die Situation erlebt?
  • Was hätte ich gebraucht?
  • Wie konnte ich meine Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen?
  • Welche Hindernisse standen mir im Weg und wie habe ich sie umschifft?
  • Was hat zum Misserfolg beigetragen? Was davon war mein Beitrag? 
  • Wen hätte ich einbeziehen können?
  • Was könnte ich beim nächsten Mal konkret anders machen?

Es geht hier um eine ganz sachliche objektive Erkundung. Es kann sein, dass dich der Misserfolg sehr schmerzt. Auch das gehört manchmal dazu. Dann denke daran, dass diese eine Situation jetzt schlicht nicht so gut gelaufen ist, aber dein Leben besteht noch aus unendlich vielen Möglichkeiten, es beim nächsten oder übernächsten Mal anders zu machen. Es geht darum, die Zukunft zu planen und nicht darum, den Misserfolg noch einmal in all seinen emotionalen Facetten zu durchleben. Du sollst auch nicht einfach Glitzer über die misslungene Situation streuen und so tun, als hättest du gar nichts dazu beigetragen. Denn dann verpasst du möglicherweise eine Lernmöglichkeit. Dann kann es dir passieren, dass dir das Leben noch einige dieser Lernmöglichkeiten bietet. 

Mit der Zeit lernst du deine Stärken, Bedürfnisse und Motive immer besser kennen. Du lernst darüber hinaus deine eigenen mentalen Denkmuster d.h. deine Glaubenssätze oder auch Grundannahmen immer besser kennen. Und wie gesagt: Es lohnt sich. 

Und jetzt kommen wir noch mal auf die Anfangsfrage zurück: Wieviel Zeit nehmt ihr euch für Reflexion? Ich kann an dieser Stelle sagen, dass wir die Zeit gar nicht bemessen können, da es für uns bereits eine Routine darstellt. Dadurch, dass Heidrun und ich jetzt seit vielen Jahren mit dem Taschencoach arbeiten, ist es uns zur Gewohnheit geworden, nicht nur Termine oder ähnliches vorzubereiten, sondern auch im Nachgang kurz darüber zu reflektieren. Dadurch verpassen wir auch nicht die schönen Momente und bleiben nicht an den misslungenen hängen. Was war, das war und ist damit erst einmal abgeschlossen. Wenn es besonders auffällig war im Sinne von „es sollte besonders gefeiert werden“ oder „hoffentlich passiert das nicht noch mal“ nehmen wir uns einfach mehr Zeit und machen noch einige Notizen dazu, um unsere Gedanken zu sortieren. 

Erfolgreiche Selbstführung benötigt eine kultivierte Praxis und die Bereitschaft die Verantwortung für das eigene Leben ernst zu nehmen – und das ist unser Herzensthema. Vielleicht konnten wir dich mit diesem Artikel einladen, dich selbst wichtig genug zu nehmen, dass du dass du das beste Leben verdient hast. 

 In diesem Sinne: Gestalte dein Leben 😉

     PS: Selbstführung hat natürlich noch weitere große Bereiche. Aber ohne Reflexion fehlt die Basis.